Camille Graeser. Vom Entwurf zum Bild

11. Februar bis 15. April 2012

Ausstellungseröffnung: Freitag, 10. Februar, 18.30 Uhr

Camille Graeser. Vom Entwurf zum Bild

(Klein)DislokationB,1969,AcrylaufLeinwand(Klein)SkizzenblattmitzweiIdeenskizzen,o.J.,Collage, Bleistift, Farbkreide,Gouache

Dislokation B, 1969
Acryl auf Leinwand

Skizzenblatt mit zwei Ideenskizzen, o.J.
Bleistift, Farbkreide, Gouache auf Papier


Üblicherweise werden in Ausstellungen „fertige“ Bilder als Produkte eines oft langen künstlerischen Entwicklungsprozesses gezeigt. Bei der aktuellen Ausstellung geht es darum, den künstlerischen Weg von der ersten Skizze bis zum fertigen Bild zu zeigen. Es ist also sozusagen ein Blick in das Atelier des Künstlers. Camille Graeser zählt mit Max Bill, Richard Paul Lohse und Verena Loewensberg zum Kern der sogenannten Zürcher Konkreten, die seit Ende der 1930er Jahre wegweisend für die internationale Entwicklung der Konkreten Kunst wurden.

Geboren 1892 in Carouge bei Genf, zog er nach dem Tod des Vaters, eines Papierwarenfabrikanten, 1898 mit Mutter und Schwester nach Stuttgart. Nach einer Schreinerlehre studierte er von 1911 bis 1916 an der Königlichen Kunstgewerbeschule Stuttgart bei Bernhard Pankok Möbelbau und Innenarchitektur und eröffnete ein Jahr darauf ein eigenes Atelier für Innenarchitektur, Grafik und Produktgestaltung. Ein Jahr später trat er dem deutschen Werkbund bei, der 1907 gegründeten Vereinigung, die die Qualität kunstgewerblicher Produkte unter den Bedingungen industrieller Herstellung zu verbessern suchte. Spätestens seit dem Entwurf einer Muster-Inneneinrichtung für eine Wohnung mit zweieinhalb Zimmern im Rahmen der Werkbund-Ausstellung „Die Wohnung“ in der Stuttgarter Weissenhofsiedlung, zählte er zu den wichtigsten Innenarchitekten und Produktgestaltern im süddeutschen Raum.
 

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Doppelseitiges Komplementärthema II, 1965
Öl auf Leinwand

Skizzenblatt mit zwei Ideeskizzen, o.J.
Bleistift mit Farbkreide auf Papier
 

Die Machtübernahme der Nationalsozialisten veranlasste ihn 1933 zur Aufgabe des Stuttgarter Ateliers und Übersiedlung nach Zürich. Dort heiratete er 1936 Emmy Rauch. Der Aufbau einer neuen Existenz als Innenarchitekt erwies sich als schwierig; so wandte er sich mehr und mehr der Malerei zu, die ihn seit Studienzeiten begleitet hatte, und entwarf 1937/38 erste „konkrete“ Bilder und Reliefs. Er schloss sich der Gruppe „Allianz“ an, gegründet von Richard Paul Lohse und Leo Leuppi als Vereinigung vor allem konstruktiv-konkreter Künstler, und stellte fortan mit dieser Gruppe bis zu deren Auflösung 1954 aus. Bis auf eine Unterbrechung durch die Kriegsjahre 1940 bis 1942, während der er zum militärischen Hilfsdienst eingezogen worden war, entstanden jährlich vier bis fünf Bilder. Dabei entwickelte er systematisch sein Bildvokabular nach Prinzipien wie Rotation, Konstruktionen aus T-Elementen, Konstruktionen mit Balken und Winkelelementen, Loxodromische (= schiefwinkeligen) Kompositionen und usw. 
 

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Exzentrische Konstruktion in drei Rythmusgruppen, 1954/57
Öl auf Leinwand 

Skizze zum Bild, o.J.
Bleistift und Farbkreide
 

Zahlreiche Ideenskizzen und Entwurfszeichnungen begleiten Graesers analytische Bildfindung. Die kleinformatigen Blätter sind häufig mit handschriftlichen Bemerkungen und mit genauen Angaben zu Maß und Farbgestaltung versehen. Erst nach intensiver gestalterischer Durchdringung übertrug er die in Bleistift und Farbstift angelegten Skizzen in Malerei. In insgesamt 50 Rahmen werden einige hundert solcher Entwurfsblätter präsentiert und 42 Gemälden gegenüber gestellt. Der Großteil der Werke stammt aus der Camille Graeser-Stiftung, Zürich, deren Konservatorin, Vera Hausdorff M.A. das Konzept dieser Ausstellung entwarf, die in abgewandelter Form zuvor gezeigt wurde im  Ergänzt werden diese Bilder durch Leihgaben aus Museen und Privatbesitz, darunter das Kunsthaus Aarau, das Museum für Kunst und Kulturgeschichte Dortmund, das Kunstmuseum Stuttgart und das Haus Konstruktiv, Zürich. Anstoß für diese Ausstellung in Würzburg gab die „Sammlung Peter C. Ruppert – Konkrete Kunst in Europa nach 1945“ mit zwei herausragenden Gemälden von Camille Graeser, die in die Wechselausstellung integriert sind. 

 

Das Programm zur Ausstellung mit Terminen zu den Veranstaltungen finden Sie hier: 

 

Faltblatt zur Graeser-AusstellungFaltblatt zur Graeser-Ausstellung

 

 

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