Museum im Kulturspeicher

Oskar-Laredo-Platz 1
97080 Würzburg
In Karte anzeigen
Tel: 09 31 / 3 22 25 0

Sammlung Peter C. Ruppert

Preis Peter C. Ruppert für Konkrete Kunst in Europa

Am 8. November 2016 wurde der "Preis Peter C. Ruppert für Konkrete Kunst in Europa" zum vierten Mal vergeben. Ausgezeichnet wurde Hans Jörg Glattfelder, der zu den herausragenden, international angesehenen Schweizer Vertretern der Konkreten Kunst zählt.

2008 wurde er zum ersten Mal verliehen – der Preis Peter C. Ruppert für Konkrete Kunst in Europa. Das Preisgeld der mit 15.000 € dotierten Auszeichnung wird von der Stiftung Peter C. Ruppert zur Verfügung gestellt. Sie geht im dreijährigen Turnus an einen international hervorgetretenen Künstler, dessen Werk für die Konkrete Kunst in Europa nach 1945 von besonderer Bedeutung ist. In begründeten Fällen kann der Preis auch an herausragende Nachwuchskünstler vergeben werden. Die Auswahlkriterien sind, neben der Stringenz der Werkentwicklung, Verdienste und kunsthistorisch wichtige Beiträge zur Konkreten Kunst. Im Rahmen eines Festaktes, ausgerichtet von der Stadt Würzburg, wird der Preis im Museum im Kulturspeicher verliehen.


Bisherige Preisträger

2008: François Morellet
François Morellet, geboren 1926 in Cholet/Anjou, gehört zu den herausragenden, international angesehenen Vertretern der Konkreten Kunst in Frankreich. In jungen Jahren orientierte er seine Kunst an dem Holländer Piet Mondrian und dem Schweizer Max Bill und damit an wichtigen Vaterfiguren der Konkret-Konstruktiven Kunst.

Eine Reise nach Spanien führte ihn 1952 nach Granada und in die Alhambra, deren maurische Malerei ihn faszinierte und ihn in seinem Streben nach geometrischer Bildreduktion bestärkte. Unter diesem Eindruck entwickelte Morellet sein Prinzip des „all over“, der vollständigen Füllung der Fläche ohne abschließenden Bildrahmen. Er selbst spricht von vier wichtigen Systemen als Grundlage seiner Werke: Nebeneinanderstellung und Überlagerung, Interferenzen, Fragmentierung und Zufall. Die Sammlung Peter C. Ruppert enthält drei Werke des Künstlers aus charakteristischen Phasen seiner Arbeit. Sie alle fordern die Wahrnehmung des Betrachters und regen ihn zu neuen Seherfahrungen an.

Bis heute hatte François Morellet Einzelausstellungen in vielen Städten Europas, in den USA und Asien, schuf zahlreiche Werke für den öffentlichen Raum und ist in Museen und Sammlungen der ganzen Welt vertreten. 1961 war er Mitbegründer der „Groupe de Recherche d’Art Visuel“ (GRAV) in Paris, deren Anliegen es war, die Kunst auf spielerische Weise in die Nähe zu nachprüfbaren, wissenschaftlichen Verfahren zu bringen. 1968 und 1977 nahm er an der documenta in Kassel teil, 1970 an der Biennale in Venedig.

François Morellet lebt und arbeitet in Cholet.

Die Preisverleihung an Morellet fand am 17. November 2008 im Museum im Kulturspeicher Würzburg statt. Die Laudatio hielt Dr. Dorothea van der Koelen, Mainz.

François Morellet, 4x4, Nr. 4, 2007, Neon-Wandobjekt, Acryl auf Leinwand auf Holz, Neonröhren

2011: Heijo Hangen
Heijo Hangen, geboren 1927 in Bad Kreuznach, hat die Konkrete Szene in Deutschland entscheidend mit geprägt. Von 1947 bis 1950 besuchte er die Landeskunstschule in Mainz, um anschließend freischaffend zu arbeiten. Hangen entwickelte als Maler sein ganz spezielles Bildsystem der geometrischen Flächenteilung eines Quadrats, seines wiederkehrenden Moduls.

Die Umsetzung seines streng durchgehaltenen Konzepts zeigt eine höchst lebendige Abfolge von Bildern unterschiedlicher Formate, Proportionen und reicher Farbigkeit.

Heijo Hangen 2003 (Foto:Achim Schollenberger)In seiner künstlerischen Arbeit geht es Hangen nicht nur um das Einzelbild, sondern auch um die Arbeit in Reihen und Variationen. Daraus hat er für sich das Prinzip der „zeitversetzten Bildkombinationen“ entwickelt, das heißt, die Werke unterschiedlicher Schaffensphasen können in stimmigen Ensembles als Gesamtkunstwerk präsentiert werden. Diese Bildkombinationen sind in ihrer Stringenz einzigartig und bei anderen Künstlern aus dem Bereich der Konkreten Kunst nicht anzutreffen. Die Sammlung Ruppert im Museum im Kulturspeicher verfügt u.a. über eine dieser „zeitversetzten Bildkombinationen“, bestehend aus elf Werken.

Heijo Hangen war 1976 Stipendiat der Villa Massimo in Rom und entwickelte dort das Bildprogramm für seinen Beitrag zur documenta 6, auf der er 1977 vertreten war. 1979 und 1997 hielt er sich als Ehrengast in der Villa Massimo auf. 1991 bekam er den Kunstpreis des Landes Rheinland-Pfalz. Seit seiner ersten Ausstellung im Jahr 1960 blickt er auf mehr als 330 Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen zurück. Sein Werk ist in zahlreichen deutschen wie auch in internationalen Museen vertreten.

Heijo Hangen lebt in der Künstlersiedlung auf dem Asterstein in Koblenz.

Die Preisverleihung an Heijo Hangen fand am 24. November 2011 im Museum im Kulturspeicher Würzburg statt. Die Laudatio hielt Hans-Peter Riese, Köln.

 


2013: Dóra Maurer
Charakteristisches Merkmal der Kunst von Dóra Maurer (geb. 1937 in Budapest) sind die so genannten „Displacements“. So nennt sie ihre konstruierten Übereinanderverschiebungen von mehrteiligen farbigen Rastern. Insbesondere auch mit ihren daraus hervor gegangenen „Quasi-Bildern“ hat sie einen speziellen, in dieser Form unverwechselbaren Bildbegriff entwickelt.

md07Ausgangspunkt war 1982 die Ausmalung einer romanisch gewölbten Stube im Bergfried von Schloss Buchberg in Österreich. Hier überlagerte eine Abfolge teilweise an der Wandkante abbrechender, verschiedenfarbiger breiter Streifen Fußboden, Wände und Decke. Die Form des Raumes wird dabei ignoriert – der architektonische und der gemalte Raum scheinen einander zu widersprechen und bieten dem Betrachter ein ungewohntes, verblüffendes Seherlebnis. Das Prinzip konkurrierender, rein durch farbige Strukturen gebildeter gemalter Raumansichten übertrug Dóra Maurer anschließend auf zweidimensionale, vielteilige Bildflächen. Mit Hilfe von Projektoren konstruiert sie scheinbar gebogene, verzerrte Elemente, deren optische Wirkungen frappieren: Die gemalten, flachen Gebilde scheinen sich von der Wand zu lösen und dem Betrachter räumlich entgegenzukommen. Drei exemplarische Werke befinden sich in der Sammlung Peter C. Ruppert im Museum im Kulturspeicher.

Dóra Maurer studierte von 1955–1961 an der Hochschule für Bildende Künste in Budapest und lehrte unter anderem an der Hochschule für Angewandte Kunst und an der Hochschule für Bildende Kunst in Budapest. Seit 1965 präsentiert sie ihre Arbeiten in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen national wie international. Sie lebt in Budapest und ist Gründungsmitglied der ungarischen Künstlervereinigung „Open Structure Art Society“ (OSAS), die seit 2006 im Budapester Vasarely-Museum thematische und internationale Ausstellungen veranstaltet.

Die Preisverleihung an Dóra Maurer erfolgte am 3. Mai 2013 im Museum im Kulturspeicher Würzburg im Rahmen der Feierlichkeiten des Jubiläums „40 Jahre Europastadt Würzburg“ und im Beisein von zahlreichen Vertretern der Europapreisträgerstädte (aus diesem Grund wurde auch der dreijährige Turnus verkürzt). Die Laudatio hielt Dr. Dieter Bogner, Wien.

407991_maurer_overlappings

 

 2016: Hans Jörg Glattfelder

 

Hans Jörg Glattfelder, geboren 1937 in Zürich, zählt zu den herausragenden, international angesehenen Schweizer Vertretern der Konkreten Kunst. Angehöriger der dritten Generation der Konkreten, erlebte er die „Gründerväter“ dieser Kunst noch selbst, um sich dann in seiner eigenen Arbeit von ihnen abzusetzen.

 

Glattfelder betont den Stellenwert des wissenschaftlichen Denkens in der Kultur und greift für seine Malerei auf Theorien der Mathematik zurück. Die Sammlung Ruppert im Museum im Kulturspeicher verfügt über insgesamt drei Werke des Künstlers, darunter eines aus der Werkserie „nicht-euklidische Metaphern“. Gemälde dieser Serie stellen gekrümmte Räume dar, die der gewohnten Würfelform als Raumvorstellung widersprechen und eine große suggestive Kraft ausüben. Das Bild scheint über der Wand zu schweben. Hierbei wählt Glattfelder den Ausdruck „Metapher“ bewusst, denn er sieht sich als Maler, nicht als Illustrator der Mathematik. Mit diesen die Wahrnehmung verblüffenden und faszinierenden Werken schuf Glattfelder eine bis dato nicht gekannte Bildform in der Konkreten Kunst.

 

Seit 1966 setzt sich Glattfelder auch als Theoretiker mit der Konkreten Kunst auseinander und hat in den vergangenen 30 Jahren zahlreiche Essays, Vorträge und Symposionsbeiträge verfasst. In diesem Zusammenhang erstellte er ab 2008 auch ein Glossar, dass die wesentlichen Begriffe der Konkreten Kunst in klarer Sprache widergibt und exklusiv auf der Homepage des Museum im Kulturspeicher abrufbar ist.

GLOSSAR.-Worte-und-Begriffe-zur-Konkreten-Kunst.html

 

Hans Jörg Glattfelders Kunst genießt internationales Ansehen und wurde bisher in mehr als 100 Einzelausstellungen gezeigt in Deutschland, Frankreich, Italien, der Schweiz, den Niederlanden, Schweden, Serbien, Dänemark, Ungarn, Mexiko, Venezuela, Indien, Australien und New York. Sein Werk ist vertreten in führenden Museen der Gegenwartskunst, darunter dem Louisiana Museum of Modern Art in Humlebaek, Dänemark, dem Espace de l’Art Concret, Mouans Sartoux, Frankreich oder dem Museum Haus Konstruktiv, Zürich.

 

Glattfelder, Hans-Jörg, Der Grenzgänger, 1986-87

 

 

 

 

Cookies ermöglichen eine bestmögliche Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Seiten und Services erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Mehr InfosOK