Restituiert und zurückerworben

Pressemitteilung vom 11.12.2025: Slevogt-Gemälde bleibt in Würzburg

  • NS-verfolgungsbedingt entzogenes Werk kehrt nach Rückgabe und Rückkauf in die Städtische Sammlung zurück
  • Bedeutender Erfolg aktiver Provenienzforschung und Stärkung der Erinnerungskultur in Würzburg
     
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Würzburg, 11. Dezember 2025 • Das Museum im Kulturspeicher (MiK) Würzburg kann ein bedeutendes Werk dauerhaft in seiner Sammlung behalten: das Porträt „Bildnis eines bärtigen Mannes (Pater Nivard)“ von Max Slevogt aus dem Jahr 1902. Möglich wurde dies durch die Restitution des Gemäldes an die Erben von Bruno Cassirer und dem anschließenden Rückkauf durch das städtische Museum.

Bereits 2018 konnte die damalige Provenienzforscherin im MiK, Beatrix Piezonka, nachweisen, dass das im Museum verwahrte „Bildnis eines bärtigen Mannes“ aus ehemals jüdischem Besitz stammt. Die auf dem Gemälde dargestellte Person selbst konnte sie als den Baptistenpater Nivard Streicher identifizieren.

Der Berliner Verleger und Kunsthändler Bruno Cassirer (1872–1941) hatte das Porträt einst direkt beim Künstler erworben. Cassirer zählt zu den bedeutendsten Förderern des deutschen Impressionismus und pflegte enge Beziehungen zu Künstlern wie Lovis Corinth, Max Liebermann und Max Slevogt. Als Jude wurde er Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung und musste 1938 mit seiner Familie nach Oxford fliehen. Sein zurückgelassenes Vermögen und Teile seines Kunstbesitzes wurden am 3. März 1942 von der Gestapo beschlagnahmt. Das Slevogt-Porträt kam 1944 im Auktionshaus von Charlotte Oellerich in Berlin zur Versteigerung.

Die Auktionsprotokolle geben Aufschluss über den Namen des Käufers des Porträts von Pater Nivard: „Gurlitt Bad Aussee“. Dabei handelt es sich um den Kunsthändler Wolfgang Gurlitt, einen engen Geschäftsfreund Heiner Dikreiters, des Gründungsdirektors der 1941 eröffneten Städtischen Galerie Würzburg, aus der 2002 das heutige Museum im Kulturspeicher (MiK). Gurlitt verkaufte das Werk bereits 1944/45 an Dikreiter, der in seiner Sammeltätigkeit einen besonderen Fokus auf den in Würzburg aufgewachsenen Slevogt gelegt hatte.

Die Rolle Wolfgang Gurlitt und seine Verbindungen nach Würzburg hat das MiK im Jahr 2020 gemeinsam mit dem LENTOS Kunstmuseum Linzexterner Link zum Gegenstand einer Sonderausstellung gemacht. Auch das „Bildnis eines bärtigen Mannes (Pater Nivard)“ wurde dort gezeigt und seine bewegte Geschichte erzählt. Die Erkenntnisse zur Provenienz wurden außerdem in die Lost Art-Datenbank eingestellt.

Erbengemeinschaft ermöglicht Rückkauf

Dank des Entgegenkommens der in Großbritannien lebenden Erbengemeinschaft konnte das Gemälde mit Unterstützung der Sparkassenstiftung Würzburg für die Sammlung des MiK zurückerworben werden: „Bruno Cassirer starb in Oxford, aber es ist angemessen, dass dieses Porträt aus seinem Besitz nun ein dauerhaftes Zuhause in Würzburg findet“, heißt es von der Erbengemeinschaft. „Wir danken Dr. Marcus Hurttig, Dr. Henrike Holsing und insbesondere Beatrix Piezonka für ihre Arbeit an diesem Fall und für die partnerschaftliche sowie gute Zusammenarbeit. Diese hat es ermöglicht, das historische Unrecht endlich gutzumachen.“ 

Mit dem Rückkauf verbleibt das Bildnis nun dauerhaft in der Städtischen Sammlung und seine Herkunft kann für die Besuchenden des Museums nachvollziehbar dargestellt werden. „Das Porträt ist nicht nur ein bedeutendes Kunstwerk unserer Sammlung. Es ist ebenso ein sichtbares Zeichen für eine engagierte und verantwortungsvolle Provenienzforschung“, sagt Henrike Holsing, stellvertretende Direktorin des Museum im Kulturspeicher (MiK) Würzburg, und ergänzt: „Zugleich erinnert es an das nationalsozialistische Unrecht und seine Opfer – insbesondere auch mit Blick auf die Geschichte des MiK als Nachfolgeinstitution der Städtischen Galerie Würzburg.“

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PRESSEMATERIAL

Pressematerial: Pressetexte und Bildmaterial zum Download online unter kulturspeicher.de/presse.


Über das MiK: Das Museum im Kulturspeicher Würzburg (MiK) ist die Nachfolgeinstitution der 1941 im Auftrag der damaligen NS-Stadtregierung gegründeten Städtischen Galerie. 2002 zog das Museum in den Kulturspeicher am Alten Hafen um. Das MiK sammelt, präsentiert, vermittelt und erforscht die Kunst vom 19. bis 21. Jahrhundert. Hervorzuheben sind die Werke des deutschen Impressionismus und im Bereich der modernen Kunst die umfangreichen Werkgruppen der Künstlerinnen Emy Roeder und Gertraud Rostosky. Einen besonderen Schwerpunkt bildet die Konkrete Kunst der Privatsammlung Peter C. Ruppert, die sich als Dauerleihgabe im MiK befindet. Die Gründungsgeschichte des Museums verpflichtet, ein Kunst- und Kulturstandort zur Stärkung und Bildung von demokratischen Grundwerten zu sein. Den Ausgangspunkt bildet hierfür die kritische Auseinandersetzung mit der Sammlung, die aus verschiedenen Perspektiven hinterfragt werden soll.
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Öffnungszeiten: Dienstag 13–18 Uhr, Mittwoch bis Sonntag 11–18 Uhr, montags geschlossen. Abends im Museum: Einmal monatlich – immer am dritten Donnerstag – öffnet das MiK bis 21 Uhr. Die längere Öffnung gilt auch an Feiertagen, die auf einen Donnerstag fallen. Feiertage: Das MiK ist geschlossen an Heilig Abend, am 1. Weihnachtsfeiertag, an Silvester sowie am Faschingsdienstag. An allen anderen Feiertagen ist das Museum von 11 bis 18 Uhr geöffnet – auch an Feiertagen, die auf einen Montag fallen.

Eintrittspreise: 5 €, 3 € ermäßigt*. Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre und Mitglieder des Freundeskreis Kulturspeicher Würzburg e.V.externer Link haben freien Eintritt. Der erste Sonntag im Monat ist für Alle eintrittsfrei!

* Ermäßigungen gelten für Schüler*innen, Studierende, Auszubildende, FSJler*innen, BFD-ler*innen über 18 Jahre, Teilnehmende an Weiterbildungsmaßnahmen (mit Nachweis), Inhaber*innen der Ehrenamtskarte, Menschen mit Behinderung, Gruppen ab 20 Personen.

Museum für Alle: Alle Ausstellungsflächen des Museums sind barrierefrei erreichbar. Hörbeeinträchtigte können mit einem Gruppenführungssystem an den Führungen teilnehmen. Ein Rollstuhl und ein Buggy stehen für den Besuch zur Verfügung. Mit der MiK-eigenen Smartphone-App werden Besuchende mit und ohne Beeinträchtigungen durch das Museum begleitet. Diese kann kostenlos im Google Play Store und im Apple App Store unter dem Suchbegriff „Museum im Kulturspeicher“ heruntergeladen werden.

Verkehrsanbindung: Das Museum liegt am Alten Hafen in der Nähe von CinemaxX und Congress Centrum. Vom Hauptbahnhof oder dem Marktplatz in der Innenstadt ist das MiK in ca. 15 Minuten zu Fuß zu erreichen. Mit der Straßenbahn führen die Linien 2 und 4 bis zur Haltestelle „Congress Centrum“. Von dort sind es ca. 5 Minuten Fußweg bis zum Museum. Direkt vor dem Kulturspeicher halten die Buslinien 12 und 13, die vom Busbahnhof am Hauptbahnhof abfahren. Auch Busse der Linien 11, 19, 27 steuern den Kulturspeicher an. Von der Residenz über die Juliuspromenade führt von April bis November die „Kulturlinie Würzburg“ (Linie 9). Diese fährt alle 30 Minuten zu verschiedenen Sehenswürdigkeiten; natürlich auch zum Museum im Kulturspeicher. Mehr Informationen online auf wvv.deexterner Link oder vvm.deexterner Link. Parkmöglichkeiten: In unmittelbarer Nähe des Museums liegt das Parkhaus CinemaxX/Alter Hafen. 
 

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