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Nachlass Emy Roeder

Der Name der Bildhauerin Emy Roeder fehlt kaum in Ausstellungen und Publikationen zur deutschen Plastik des 20. Jahrhunderts. Ihr Werk gilt als ebenso bedeutend wie das ihrer Bildhauerkollegen Gerhard Marcks, Ewald Mataré oder Edwin Scharff.

Emy Roeder, Selbstbildnis, 1958, Bronze, Museum im Kulturspeicher
Emy Roeder, Selbstbildnis, 1958, Bronze, Museum im Kulturspeicher
Bereits in den 1920er Jahren konnte sich die Bildhauerin in der Kunstmetropole Berlin durchsetzen. Zusammen mit Käthe Kollwitz, Renée Sintenis und Milly Steger wagte sich Emy Roeder in einen vorwiegend männlich besetzten Bereich der Kunst. Sie übte sich in der Kunst des Zeichnens, des Modellierens, des Formens und in der Technik des Bronzegusses.

Emy Roeder kam 1890 als Tochter einer alteingesessenen Kaufmannsfamilie am Würzburger Markt zur Welt. Am Polytechnischen Zentralverein Würzburg begann sie 1908 als Schülerin von Arthur Schleglmünig mit Zeichnen und Modellieren. Kurz nach dem frühen Tod ihres Vaters wechselte sie 1911 nach München. 1913 wurde sie Schülerin des bekannten Bildhauers Bernhard Hoetger und arbeitete mit ihm an der Ausgestaltung des Platanenhains in Darmstadt. Er brachte ihr eine moderne plastische Auffassung nahe, die sich auf Tektonik, Form und Materialgerechtigkeit konzentrierte.

1914/15 zog es die junge Künstlerin nach Berlin, wo sie sich nach ihrer Heirat mit dem Bildhauer Herbert Garbe 1919 dauerhaft niederließ. Dort erlebte Emy Roederexterner Linknicht nur die Gemeinschaft mit gleichaltrigen Künstlern, sondern sie begegnete auch dem Werk so wegweisender Bildhauer wie Alexander Archipenko, Ernst Barlach und Wilhelm Lehmbruck. Als Mitglied der „Novembergruppe“ und der „Freien Secession“ knüpfte sie Kontakte mit den Brücke-Expressionisten Erich Heckel und Karl Schmidt-Rottluff und sie lernte u.a. Käthe Kollwitz, Milly Steger, Rudolf Belling und Ewald Mataré kennen. In jenen Jahren fand sie in ihrer Plastik zu einer expressionistischen Formensprache. Zwei seltene Holzplastiken aus dieser kurzen expressionistischen Werkphase sind „Die Schwangere“ und „Betender Knabe“ im Museum im Kulturspeicher Würzburg. Viele andere Werke aus dieser Phase sind zerstört und verschollen.

1920 setzte Emy Roeder als Meisterschülerin des Bildhauers Hugo Lederer ihre Studien an der Akademie der Künste in Berlin fort, die nun auch für Frauen geöffnet war. Ihre Formensprache beruhigte und klärte sich. In jenen Jahren trat sie neben Bildnisbüsten mit Plastiken hervor, die menschliche und kreatürliche Gemeinschaft zum Ausdruck bringen. Ein inniges, einander zugewandtes und vertrauensvolles Dasein kennzeichnet die Beziehung von Mutter und Kind und ihre plastischen Darstellungen von Freundinnen und Geschwister.

Nach frühen Erfolgen in Berlin, Ausstellungen und Auszeichnungen wurde ihre Terrakotta Plastik „Schwangere“ 1937 als „entartet“ in München ausgestellt und diffamiert. Von 1936 bis zu ihrer Internierung in Padula lebte und arbeitete Emy Roeder – zunächst als Stipendiatin der Villa Romana - in Florenz, wo sie politisch weitgehend unbehelligt und zurückgezogen arbeiten konnte. 1949/50 kehrte sie von Rom nach Deutschland zurück und begründete nun fast sechzig Jahre alt mit Hilfe von Fritz Vollbach in Mainz eine neue Existenz. Neue künstlerische Freundschaften schloss sie in ihren späten Jahren mit den Bildhauern Hans Mettel, Wilhelm Loth und Gustav Seitz. Bis zu ihrem Tod lebte und arbeitete Emy Roeder in Mainz, doch unterhielt sie noch Kontakte nach Würzburg, auch wenn ihre Familie längst nicht mehr in Würzburg lebte.

Emy Roeder erlebte zwei Weltkriege, Zerstörung, Wiederaufbau und den Wechsel der Generationen mit, doch verlor sie nie den Bezug zur Gegenwartskunst. Mit den ausdrucksstarken Bildnisköpfen ihrer Malerfreunde Erich Heckel, Hans Purrmann und Karl Schmidt-Rottluff erfuhr sie in den 1950er Jahren höchste Anerkennung: 1955 war sie auf der documenta I in Kassel vertreten. Zu Beginn der 1960er Jahre inspirierte sie die Begegnung mit den Tripolitanerinnen in Nordafrika zu äußerst reduzierten, auch überlebensgroß ausgeführten Frauendarstellungen.

Obgleich Emy Roeder nicht mehr nach Würzburg zurückkehrte, vermachte sie noch zu Lebzeiten ihrer Heimatstadt ihren künstlerischen Nachlass, der nicht nur ihre eigenen Skulpturen und Zeichnungen, sondern auch Werke befreundeter Künstler enthält. Das Museum im Kulturspeicher Würzburg betreut und verwahrt ihren Nachlass und hat ihr dauerhaft einen eigenen Ausstellungsraum eingerichtet.

Ihr Nachlass umfasst rund 70 Skulpturen und Gipsmodelle sowie über 100 Zeichnungen, dazu Briefe und Werke der mit ihr befreundeten Künstler, u.a. Erich Heckel, Hans Purrmann, Karl Schmidt-Rottluff und Gustav Seitz.

 


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