Würzburg und die Kunst der 1950er Jahre. Figuration und Abstraktion

13. November 2010 - 13. Februar 2011

Einen spannungsreichen Einblick in das vielfältige Spektrum der 1950er Jahre gegenständlicher und abstrakter, regional geprägter und internationaler Kunst bietet diese Ausstellung. Sie umfasst 150 Werke von rund 50 Künstlerinnen und Künstlern aus den Beständen der Städtischen Sammlung, ergänzt um einige Leihgaben.

Die 1950er Jahre waren nach der faschistischen Diktatur, dem Zweiten Weltkrieg und der fast völligen Zerstörung Würzburgs auch in der Kunst eine sehr spannungsreiche Zeit zwischen Neuorientierung und der Suche nach neuen Formen einerseits und dem Festhalten an Tradiertem andererseits. Die Ausstellung zeigt dieses vielfältige Spektrum gegenständlicher und abstrakter, regional geprägter und überregional bekannter Kunst. Es sind Gemälde, Plastiken und Papierarbeiten von Künstlerinnen und Künstlern zu sehen, die aus Würzburg stammen, in der Nachkriegszeit hier arbeiteten oder deren Werke für die Städtische Sammlung angekauft wurden.

Wie gestaltete sich in Würzburg die Auseinandersetzung mit der ehemals verfolgten und verfemten Kunst der Moderne? Welche Entwicklungsmöglichkeit bot sich Künstlern, die in einer kriegszerstörten Stadt zur Zeit des Wiederaufbaus arbeiteten? Welche Chancen hatte hier die abstrakte Kunst?

Fast alle Künstler, die in dieser Zeit des Neubeginns tätig waren, hatten Krieg und Verluste, oft auch lange Unterbrechungen ihrer künstlerischen Arbeit erlebt und standen vor einem Neubeginn. Viele Ateliers waren zerbombt, es fehlte das Geld für Material, die Verdienstmöglichkeiten beschränkten sich vorwiegend auf Auftragsarbeiten und Lehrtätigkeit. Viele Künstler der jüngeren Generationen absolvierten nach dem Krieg zunächst eine handwerkliche Ausbildung, bevor sie sich der Kunst zuwandten. Die meisten besuchten zunächst die Kunst- und Handwerkerschule in Würzburg und studierten später an der Akademie.

Mit dem Ende der faschistischen Diktatur hatte die Kunst nicht mehr gezwungenermaßen primär ideologischen Doktrinen zu dienen. Man konnte nun entweder an die Kunst der Moderne der Vorkriegszeit anknüpfen, einen kompletten Neubeginn wagen oder an den Erscheinungsformen und Bildthemen festhalten, die während des Dritten Reiches Anklang gefunden hatten. Heiner Dikreiter, der 1941 den Auftrag zum Aufbau einer städtischen Kunstsammlung erhalten hatte, wurde 1950 offiziell zum Direktor ernannt. Weiterhin stand er der Abstraktion oder dem Konstruktivismus ablehnend gegenüber und förderte insbesondere solche Künstlerinnen und Künstler, die an konventionellen Ausdrucksformen festhielten, was sicherlich für das geistige Klima im Würzburg der 1950er Jahre sehr prägend war. Auch wenn neue Strömungen der Nachkriegszeit wie Informel oder ZERO in Würzburg wenig Auswirkungen zeigten und die mainfränkischen Künstler vielleicht bodenständiger und stärker figürlich orientiert arbeiteten als in anderen Regionen, so sind doch auch hier vielfach überraschende Frische, Kraft der Erneuerung und Aufbruchstimmung spürbar.

Die Ausstellung umfasst ca. 150 Werke von 50 verschiedenen Künstlerinnen und Künstlern aus dem Bestand der Städtischen Sammlung, ergänzt um einige Leihgaben aus Ateliers und Nachlässen. Vertreten sind u.a. Karl Clobes, Heiner Dikreiter, Hugo Fritz von Habermann, Fried Heuler, Grete Kaltenecker, Alida Kisskalt, Alfons Klühspies, Rita Kuhn, Wolfgang Lenz, Curd Lessig, Oskar Martin-Amorbach, Edwin Michel, Heiner Reitberger, Emy Roeder, Ilse Selig, Dieter Stein und Josef Versl.

Als „Ausstellung in der Ausstellung“, konzipiert von Dr. Suse Schmuck, werden Fotografien von Kunst am Bau aus Würzburg gezeigt.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit Beiträgen von Bettina Keß, Suse Schmuck und Carola Schneider zum Preis von 19,80 €.

 

 

 

 

 

 

 


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